KONTINUUM ENGLISCH

├ťbergang von der Grundschule in die Realschule

 

 


Jedem erfahrenen Londonbesucher ist diese Warnung aus der U-Bahn bekannt. Die unerm├╝dliche Stimme des London Transport-Mitarbeiters weist die Fahrg├Ąste freundlich darauf hin, dass beim Aussteigen die L├╝cke zwischen Bahn und Plattform beachtet werden muss. Was nicht bekannt gegeben wird, ist die Gr├Â├če des Spalts, ob es sich um eine Stufe oder┬á einen glatten ├ťbergang handelt und warum in einem fortschrittlichen U-Bahnsystem eine solche L├╝cke ├╝berhaupt existiert. Ebenso wird verschwiegen, wie der Fahrgast den Spalt, die Stufe oder Schwelle ├╝berwinden soll. Denn das Wort ÔÇ×MindÔÇť dr├╝ckt lediglich eine Warnung, jedoch keine Anweisung zur Bew├Ąltigung der Spalte aus.

Auch im Zusammenhang mit dem Englischunterricht werden Warnungen vor einer ÔÇ×L├╝ckeÔÇť ausgesprochen. Hier geht es um den ├ťbergang von der Primar- zur Sekundarstufe I ÔÇô eine Schnittstelle, die sich erst in den letzten Jahren mit der Einf├╝hrung des Englischunterrichts in der Grundschule aufgetan hat. Die Warnungen beziehen sich einerseits auf Schwierigkeiten, die f├╝r die Sch├╝ler beim Eintritt in die neue Schule auftauchen k├Ânnen. Andererseits wird auf Probleme hingewiesen, die f├╝r die Lehrer bei der Vorbereitung der Grundsch├╝ler auf den ├ťbergang oder bei der Weiterf├╝hrung des Englischunterrichts in der Sekundarstufe I ein Hindernis darstellen k├Ânnen. Aktuell besteht Bedarf f├╝r die Erprobung von Gestaltungsm├Âglichkeiten und Strategien, die die Kontinuit├Ąt im Englischunterricht f├Ârdern und Sch├╝lern eine erfolgreiche Bew├Ąltigung des ├ťbergangs erm├Âglichen.

Die Schulleitung der Hermann-Voss-Realschule bem├╝ht sich seit langem um eine gute Zusammenarbeit mit den Grundschulen der Region. Im Jahr 2005┬á wurden zum ersten Mal Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler an der Hermann-Voss-Realschule eingeschult, die bereits Englischunterricht in den Grundschulen erlebt hatten. Die Kooperation mit den Grundschulen wurde aus diesem Grund im Fach Englisch erweitert. Seitdem hat die Schulleitung viele Initiativen ergriffen, um die Zusammenarbeit┬á zwischen den Grundschulkolleginnen und -kollegen und den SEK-I Kolleginnen und -kollegen im Fach Englisch anzuregen und nachhaltig zu gew├Ąhrleisten. Hier ist ein ├ťberblick dieser Initiativen:


SCHULLEITERABSPRACHEN

Die Schulleiter der Stadt Wipperf├╝rth haben sich immer schon um die allgemeine Zusammenarbeit aller Lehrer gek├╝mmert,┬á zum Beispiel die Hospitation k├╝nftiger Realschullehrerinnen und ÔÇôlehrer┬á in den vierten Klassen, aus denen ihre k├╝nftigen Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler stammen.


ERPROBUNGSSTUFENKONFERENZ

Grundschulkolleginnen und -kollegen werden seit langer Zeit eingeladen, an den Erprobungsstufenkonferenzen der Klasse 5 und 6 teilzunehmen, um eventuelle Probleme ihrer ehemaligen Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler zu bearbeiten. Hier finden wertvolle Austausche statt.

TREFFEN DER ENGLISCHLEHRERINNEN UND -LEHRER DER GRUNDSCHULEN UND SEK-I SCHULEN DER HANSESTADT WIPPERF├ťRTH

Im Jahr 2005 lud der damalige Realschulleiter die SEK-I Schulen der Hansestadt┬á Wipperf├╝rth und die Grundschulen zu einem gemeinsamen Austausch ├╝ber den ├ťbergang bez├╝glich des Englischunterrichts ein. Es gab erste Statements von beiden Schulformen, in denen eher Forderungen an die Lehrkr├Ąfte der Grundschulen von Seiten der SEK-I-Schulen gestellt wurden, als dass eine Basis f├╝r die k├╝nftige Kooperation er├Ârtert werden konnte.

REGIONALES TREFFEN

Auf Kreisebene lud das Schulamt 2007 alle interessierten Schulen zu einer Informationsveranstaltung in Lindlar ein, an der Grundschullehrerinnen und -lehrer ihre Methoden anhand von Filmsequenzen und praktischen Demonstrationen von TPR (Total Physical Response) darstellten. Auf dieser sehr gut durchdachten und vorbereiteten Veranstaltung fanden erste Diskussionen regionaler Schulen statt, die ihre Frustration ├╝ber die Lehrpl├Ąne und die K├╝rzung der Stundenzahl der SEKI Englischstunden auf vier Stunden ├Ąu├čerten. Aus dieser gro├čen Runde entstand eine kleine Arbeitsgruppe der ├Ârtlichen Wipperf├╝rther Schulen, die sich mit der Zusammenarbeit vor Ort besch├Ąftigte.

LOKALE TREFFEN DER WIPPERF├ťRTHER SCHULEN

Diese ├Ârtliche Arbeitsgruppe entschied sich f├╝r die Strategie, einen Mindestwortschatz und Grammatikliste zu erstellen, an der die Grundschulen sich orientieren konnten, da eine solche Vorgabe nicht vom Ministerium im Lehrplan vorgesehen war. Die Hermann-Voss-Realschule war Vorreiter bei der Erstellung der ersten Listen. In den weiteren Treffen, die immer wieder auf Initiative unserer jetzigen Schulleiterin stattfanden, wurde diese Liste in Zusammenarbeit mit ├Ârtlichen Vertretern beider Schulformen optimiert und abgestimmt. Die urspr├╝ngliche Idee, sich auf methodischer Ebene auszutauschen und zu entwickeln, wurde zu dem Zeitpunkt nicht realisiert. In der Zwischenzeit benutzen einige Grundschulen die erstellte Liste als Grundlage f├╝r ihren Unterricht.

WEITERE INITIATIVEN

Die Absicht unserer Schule, den wichtigen Prozess der Ann├Ąherung in Gang zu halten, bedeutete, dass die oben genannten effektiven Ma├čnahmen beibehalten und folgende neue Initiativen gestartet wurden.

  1. Grundschulkolleginnen und ÔÇôkollegen werden regelm├Ą├čig zu den Englisch-Fachkonferenzen eingeladen, um einen langfristigen und nachhaltigen Austausch zu gew├Ąhrleisten.
  2. Im Zusammenhang mit der PH Freiburg wurde eine parallele┬á Unterrichtsreihe entwickelt, an der eine Grundschule und eine Klasse der Realschule gemeinsam an einem Projekt teilnahmen. Den Schwerpunkt des Projektes bildete eine Unterrichtsreihe ÔÇ×StorytellingÔÇť.

    Unterrichtsmethoden der beiden Schulformen wurden genutzt und gegenseitige Unterrichtsbesuche fanden statt.  Eine gemeinsame Unterrichtsstunde bildete den Abschluss (s. DVD Professor Puffendorf bei Herrn Rooney).

    Das Projekt setzte auf Kooperation als m├Âglicher Ansatz f├╝r die Bew├Ąltigung der ├ťbergangsproblematik. Lehrkr├Ąfte sollen Einblicke in die Arbeit der jeweiligen Schulform nicht nur durch Vortr├Ąge, durch theoretische Gespr├Ąche oder durch konfrontative Begegnungen bekommen, sondern durch kooperative Arbeit an einem gemeinsamen Projekt.

    Projektziele waren:

    • Vertrauen zwischen Kollegen zu f├Ârdern
    • Bewusstmachung der Problematik durch praktische Beispiele
    • Versuch der methodischen Ann├Ąherung
    • Pers├Ânliche Ann├Ąherung
    • Einbeziehen der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler
    • Anerkennung ihrer gelernten Kompetenzen

    Der Versuch war sehr erfolgreich und wurde in einer  200seitigen wissenschaftlichen Arbeit mit zahlreichen Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern dokumentiert. Das Ziel, beide Schulformen für die Methodik und Unterrichtsgestaltung der anderen Schulform zu sensibilisieren, wurde voll erreicht.

  3. Im Herbst 2010 wurde auf regionaler Ebene eine Fortbildung zum Thema Kontinuum vom ÔÇ×Kompetenzteam OberbergÔÇť angeboten. In einer Folgeveranstaltung 2011 wurde eine Kooperation zwischen den Grundschulen und weiterf├╝hrenden Schulen in der Form von gegenseitiger Hospitation angeregt.
  4. Eine regionale Koordinierungsgruppe mit Vertretern der Grundschulen und der┬áweiterf├╝hrenden Schulen ist nun fest installiert und trifft sich zum regen Austausch auf regelm├Ą├čiger Basis.